| |
Übungspraxis in der Wahner Heide
zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Zeitgenössischer Bericht von Hubert
Lückerath (Euskirchen), der zwischen 1905 und 1914 auf dem Übungsplatz
war; aus HUCK 1969 „Die Garnison – Unser Porz – Beiträge zur Geschichte
von Amt und Stadt Porz", Heft 11, Heimatverein Porz e.V. in
Verbindung mit dem Stadtarchiv Porz, S. 37 f.:
„Die älteren Festungsgeschütze
standen in festen, ausgebauten Stellungen, die aber öfters
gewechselt und neu ausgebaut werden mussten. Es waren 9 cm, 10 cm,
schwere 12 cm, 15 cm Kanonen und „Das goldene Kalb“,
der Bronzemörser (= Bronzerohr mit eingezogener Stahlseele).
Haubitzen
(= schwere Geschütze) und alle neueren bespannten Geschütze
schossen von verschiedenen Stellen in die Heide.
Wenn „auf lebende Ziele“ geschossen wurde, dann zog
ehemals das Bähnchen, später eine Zugmaschine diese Ziele.
Die anstürmende Infanterie und anreitende Kavallerie wurden
dann mit Kartätschen (= Artilleriegeschosse mit Nahwirkung)
bedacht.
Die alten Geschütze in fester Stellung wurden meist im Mannschaftszug
an Ort und Stelle gebracht. „Kanoniere an die Taue! Zugleich,
links zwei drei vier“, und der Karren rollte von dannen.(...).
Die zum Schießen erforderliche Munition wurde zum Teil auf
dem Platz hergestellt, unter Aufsicht des zahlreichen Feuerwerkspersonals.
Nach dem Schießen wurden alle anfallenden
Metallteile von den „Pimmocken“ gesammelt. Sie wurden
von den Soldaten so genannt, obwohl sie alle aus den um den Platz
liegenden Dörfern stammten.
Der Metallhandel Braschoß war der Pächter für das
Metall, und die Kugelsucher sammelten für diesen gegen Gewicht.
Während des Schießens lagen die Kugelsucher am Platzrand,
und wenn die Signalkörbe nach dem Schießen heruntergingen,
dann stürzten sie sich wie die Wilden auf das beschossene Feld,
jede Gefahr missachtend.
Das aufgefundene Metall wurde in Säcken fortgeschafft. Es war
erstaunlich, wie die Leute mit nicht explodierender Munition umgingen,
um ein Stück Messing oder Kupfer zu ergattern, und es hat dabei
manchen Unfall gegeben.
Es hieß, dass noch kein Altenrather mit 10 Fingern in den
Himmel gekommen sei...“
|
|